Wenn jemand geht und doch so viel bleibt

Abschiede tun weh, selbst wenn sie absehbar sind. Ihr wisst ja: Nicole geht. Sie zieht nach Hamburg. Sie reist dem privaten Glück hinterher. Ende März ist es so weit. Mit ihr geht mehr als nur eine sehr gute und beliebte Mitarbeiterin. Sie war meine rechte Hand. Eine exzellente Friseurin. Gesprächspartnerin. Ruhepol.



Und das sehen nicht nur alle Kollegen so. Auch viele Kunden. „Ich war viele Jahre bei ihr. Treu. Zufrieden. Ja, ich gebe es zu: verwöhnt. Und als ich hörte, dass sie geht, hat es mich mehr aus der Bahn geworfen, als ich mir eingestehen wollte", sagt Martina, Salonfunkerin der ersten Stunde, und gesteht: „Ich spielte mit dem Gedanken, ebenfalls von Bord zu gehen."

Zum Glück hat sie ihre Tochter Jule mit ihren Gedanken konfrontiert. Die reagiert entsetzt: „Mama, bist du eigentlich noch ganz gescheit?" Dann blickt Jule ihrer Mutter tief in die Augen, greift ihre Hände. Genau so hat es Martina immer gemacht, wenn sie Jule die Leviten lies. „Mutter!", sagt Jule streng: „Du weißt doch selbst, dass in diesem Salon ein ganzes Bündel hervorragender Friseure arbeitet. Du könntest blind wählen und wärst niemals schlechter gestellt. Und was das Persönliche betrifft: Beziehungen wachsen. Auch neue. Man muss ihnen nur eine Chance geben."

Diese Klarheit trifft Martina wie ein Donner. Sie ist gleichzeitig gerührt und stolz. Was für ein kluges Kind, denkt sie und sagt: „Okay, du hast Recht. In meiner Traurigkeit hat sich mein Blick ein wenig verengt. Dieser Salon ist kein Ein-Mann- oder Ein-Frau-Orchester. Er ist ein Ensemble."

Der Einsicht kann man sich nur anschließen. Natürlich ist dieser Reflex nicht ungewöhnlich. Viele, nein fast alle Menschen, haben ihn: Wenn die Bezugsperson geht, will man am liebsten mit gehen. Daher rate ich stets: Erst mal alles sacken lassen. Dann aufs Bauchgefühl hören, ausprobieren, vergleichen. Bei uns zu bleiben, heißt nicht: die Vergangenheit festzuhalten. Bleiben heißt: Der Zukunft eine Chance zu geben.




So sehen es im Übrigen auch unsere Salonfunker 3 und 4: „Veränderung ist unbequem, aber sie ist auch eine Chance zur Erweiterung", sagt Herr Mertens mit der Summe seiner Lebenserfahrung. Diego, die inkarnierte Lässigkeit, flankiert diese Einschätzung: „Ich vertraue diesem Salon als Ganzem. Warum das Fundament in Frage stellen, nur weil sich ein Baustein verändert?"

Und dennoch schmerzt der Verlust von Nicole. Was bleibt, ist jedoch nicht die Lücke. Es ist das, was wir gemeinsam aufgebaut haben. Ein Team. Eine Haltung. Eine Verlässlichkeit. All das geht weiter. Und die guten Haarschnitte und Farben sowieso.

Ihr Alexander Ljaschko

 

PS: Ein großes Dankeschön an Martin Haar und die Kommunikationsagentur www.wordworth.de für Ideen, Sprache und Struktur. Ohne seine kreative Handschrift gäbe es den Salonfunk in dieser Form nicht.